Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

SoR-SmC - was ist das?
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR-SmC) ist eine Kampagne, die von SchülerInnen für SchülerInnen entwickelt wurde und die von diesem Graswurzel-Prinzip wesentlich lebt. SoR-SmC ist folglich keine Sammlung fertiger Unterrichtseinheiten, die von LehrerInnen an die Schülerschaft herangetragen werden, sondern beruht auf der Eigeninitiative und dem eigenen Interesse der SchülerInnen, etwas an ihrer Schule zu ändern.

Die Grundidee hinter „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ stammt aus Belgien, wo Schüler durch die Wahlerfolge der rechtsextremen Partei Vlaams Blok aufgerüttelt wurden. Mit der „SOS Rassismus“-Bewegung fand sich ein Pate, der die Idee überregional bekannt machte. Ähnlich verlief die Entwicklung in Deutschland. Hier war es die Kandidatur eines Lehrers für die rechtsextremen Republikaner, die die Schülerschaft an einem Gymnasium in Dortmund in Bewegung brachte. Sie griffen die SoR-SmC -Idee auf und machten aus ihrem Immanuel-Kant-Gymnasium 1995 die erste SoR-SmC (damals noch lediglich „Schule ohne Rassismus“) in Deutschland.

Der Verein „Aktion Courage e.V. – SOS Rassismus“ in Köln übernahm die Rolle einer Koordinierungsstelle und verbreitete die Idee zunächst vor allem in Nordrhein-Westfalen. Später griffen auch SchülerInnen in anderen Bundesländern das Konzept auf, so dass heute über 780 Schulen bundesweit offiziell (das heißt, dank Verleihung durch Aktion Courage e.V.) den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ führen dürfen. Darunter sind Schulen aller Sparten, Grundschulen ebenso wie Schulen für Lernhilfe. In Hannover sind es mittlerweile elf SoR-SmC.  Der BBS Handel konnte der Titel – dank einer engagierten Leistung der Schülervertretung – im Jahre 2008 verliehen werden.

Wie wird man Schule ohne Rassismus?
Grundvoraussetzung für die Verleihung des Titels SoR-SmC ist das schriftlich fixierte Bekenntnis von mindestens 70 Prozent aller Angehörigen einer Schule zu den Regeln der Kampagne (s. u.). Üblicherweise erfolgt dies in Form einer Unterschriftensammlung, da aber „Schule ohne Rassismus“ wie gesagt eine Kampagne ist, die vom Engagement der Betroffenen lebt und keine starre Institution, werden nicht nur die Regeln an jeder Schule neu diskutiert und bei Bedarf angepasst, sondern auch die Form der Zustimmungseinholung kann verändert werden. An der Herschelschule beispielsweise fand eine allgemeine, freie und geheime Wahl statt, bei der die Schülerinnen und Schüler z. B. auch Wahlkabinen und Wahlurnen organisierten und so zugleich ein Stück Demokratieunterricht selbst durchführten.


Die drei Grundregeln von SoR-SmC

Die ursprünglich fünf Regeln der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“-Kampagne sind auf folgende drei verkürzt worden:

  1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.
  3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Im Wesentlichen besagen die Regeln also, dass an unserer BBS Handel rassistische Äußerungen und Handlungen nicht toleriert werden. Außerdem verpflichtet sich eine „SoR-SmC“ zu jährlich wiederkehrenden Projekten und schulweiten Aktionen, die die Themen Rassismus und Gewalt aufgreifen.

SoR-SmC-Projekte und -Aktionen

An unserer BBS Handel fand z. B. der Aktionstag „bunt statt braun“ am Tag vor dem geplanten Nazi-Aufmarsch in Hannover statt (siehe Foto 1) oder unser Schulpate, der Rapper SPAX, ließ in verschiedenen Workshops Musiktitel zu Themen rund um Zivilcourage produzieren (siehe Foto 2). Möglich sind aber auch unterrichtsfächerübergreifende Gemeinschaftsprojekte oder die Organisation eines internationalen Festes – der Kreativität und Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Für Anfang Februar 2011 konnte die BBS Handel die Wander-Ausstellung „Ballarbeit. Szenen aus Fußball und Migration. Migration und ethnische Minderheiten im europäischen Fußball“ aus Berlin gewinnen und versucht dadurch die Auseinandersetzung der Schulangehörigen mit Diskriminierungen und Courage nicht nur im Sport, sondern auch im (Schul-)Alltag zu vertiefen.

SoR-SmC ist schülerInnenorientiert

Wie aus dem Vorstehenden unschwer zu erkennen, ist eine erfolgreiche Durchführung so umfassender Vorhaben ohne eine aktive Unterstützung durch die Lehrerschaft gar nicht denkbar. Trotzdem ist großer Wert darauf zu legen, dass das Projekt eine Eigeninitiative der SchülerInnen bleibt. Denn eines der wichtigsten Ziele der Kampagne kann nur so erreicht werden: nämlich dass die SchülerInnen sich selbst und aus eigener Motivation für die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Rassismus entscheiden. Sie diskutieren miteinander darüber „Was ist Rassismus denn eigentlich?“, nicht weil es auf dem Lehrplan steht, sondern weil sie für sich selbst Klarheit gewinnen wollen für die nächste Diskussion mit ihren MitschülerInnen. LehrerInnen und SchülerInnen schließlich können sich auf die inhaltliche und organisatorische Hilfestellung durch die Servicestationen der Kampagne verlassen. In (der Stadt) Hannover ist dies die Antidiskriminierungsstelle im Referat für Integration.Kurz gefasst: „SoR-SmC“ ist ein ausgezeichnetes und chancenreiches Projekt mit einer langfristigen Perspektive, das von den BBS Handel-SchülerInnen und ihrer „SV“ (siehe Link zur „Schülervertretung“) getragen werden sollte und für die BBS Handel-LehrerInnen die Rolle der Unterstützung aus dem Hintergrund vorsieht.